Bilder zu diesem Post gibts hier:
Wenn ich mich noch recht an das Ende des letzten Posts zurückerinnern kann, endete dieser damit, dass ich mit der Fähre gefahren bin. Nun folgt also der Blitzaufenthalt in Melbourne, an dem ich nicht so viel Sinnvolles vollbracht habe und die Reise von Melbourne in Richtung Adelaide, inklusive der Great Ocean Road.
Also denn, Fingerchen nochmal in Schreiblaune bringen und dehnen und los gehts. (Ihr müsst da so was Ähnliches für eure Augen machen, wenn ihr anfangt zu lesen. Alles klar?)
Jedenfalls bin ich dann habe ich dann schön die Skyline von Melbourne noch einmal vom Ozean genossen, war mit der tiefstehenden Sonne ein echt toller Anblick. Dann gings runtre zum Auto und dann raus aufs Festland, neun Stunden, die ich wie schon geschrieben zu 90 Prozent mit Tagebuchnachholen verbracht hatte.
Dann hatte ich vor, in die Library zu gehen, um vor Beginn unseres Trip nochmal Batterien aufzuladen und Internet zu checken. Leider hatte diese schon zu und ich konnte nur noch Letzteres erledigen.
Als ich dann auf facebook geschaut hatte, ist mir aufgefallen, dass Dominik, Freund aus Sydney auch gerade in Melbourne war (Im Blog bekannt unter der Malergeschichte). Ich habe ihn zwar versucht, anzurufen, er hatte aber leider keinen Empfang. Also bin ich dann erstmal meinen Hunger stillen gegangen, einfach von der Library über die Wiese und rein in die leckere Sandwichmachstube. Jedenfalls habe ich mir dann einen Platz am Fenster gesucht, ich wollte ja die Leute beobachten, das macht richtig Spaß, und wenn man den Spaß dann noch exponentiell steigern kann, in dem man sich einen fetten Sandwich in den Kopf schiebt, ist das Ganze noch viel besser.
Aber das ist ja erst noch die Vorgeschichte. Ich setzte mich da also völlig zufrieden hin und schaute meinen gerade erworbenen Rückkehrerschmaus an. Und dann gucke ich mal raus auf den Gehweg. Und wer sitzt da? Morf! Ja, wer kennt ihn nicht, ne? Nunja, ich muss wohl wieder etwas ausholen; wenn ich so weitermache, bin ich nach 5 Wochen noch nicht fertig mit diesem Blog. Morf seines Zeichens ist Japaner, macht Musik und finanziert sich mit seinen Auftritten in den Straßen seine Reise. Dabei spielt er größtenteils japanische Lieder und ist wie ein japanischer Reisbauer gekleidet. Naja, vielleicht sieht ein japanischer Reisbauer nicht so aus, aber zumindest könnte er in meinen Augen als einer durchgehen. Also habe ich mal schnell aufgegessen und dann noch etwas zugehört, mit ihm geredet (er hat mich sogar wiedererkannt) und dann noch kurz ein Foto gemacht und Richtung Auto gegangen. Auf dem Weg im McDonalds hängen geblieben, wo es ein selbstverständllich ein Soft-Serve gab und noch ein Match von den Australian Open lief. Also habe ich dort gewartet, bis ich die Mädels vom Flughafen abholen konnte. Das hat nicht allzu lange gedauert, ich bin losgefahren und als ich ankam, standen sie schon da. Wie schön.
Und da in unserem Atlas kein nahgelegener Campingplatz eingezeichnet war, sind wir dann halt noch ein bisschen gefahren, weg aus Melbourne, Richtung Süden. Geschlafen haben wir dann mitten in Geelong, mitten in einem Park, mitten an der Promenade, mitten am Cunnigham Peer. Aber glück gehabt, es kam keiner und wir hofften, dass die Toiletten dann wenigsten am Morgen auf sind.
Waren sie aber nicht. Und sämtliche Morgenspaziergänger, Angler vom Peer und natürlich wir hätten sie gebrauchen können.Also sind wir etwas weiter an der Promenade gefahren, nachdem wir unser Zelt abgebaut hatten und dort gab es dann auch Toiletten und sogar einen Tisch, wo wir dann gleich noch gefrühstückt haben.
In Geelong gabs jetzt nicht mehr viel Spektakuläres gesehen, jedenfalls sind wir dann noch einkaufen gegangen und weitergefahren.
Erster Halt: Torquay. Sowas wie eine der Surfhauptstädte Australiens, mit einem Beach, der nicht berauschend ist, dafür aber so ein paar schöne Felsen zum Klettern bereithielt und für die, denen verdammt kaltes Wasser nichts ausmacht, sogar noch eine Höhle zum Drunterdurchschwimmen. Dort haben wir eine ausgiebiege Mittagspause eingelegt und sind dann weiter gefahren. Nicht weit von da die Küste weiter liegt der Bells Beach, der Surfstrand schlechthin, aber an diesem Tag waren wollen die Wellen etwas ausgegangen, jedenfalls lagen die Surfer mehr auf ihren Brettern rum, als dass sie durch Wellen durchtauchen oder auf ihnen reiten mussten.
Dann gab es noch The Spit oder The Split, das weiß keiner mehr so genau, jedenfalls ne nette Felsenformation mit Leuchtturm dran, nicht schlecht also.
Und dann waren wir auch schon am Anfang der Great Ocean Road, nicht zu übersehen mit dem Arch gekennzeichnet. Naja, wir wussten nicht so recht, wo wir übernachten sollten, denn die eingezeichneten Campingplätze an der Great Ocean Road waren noch zu weit entfernt und es wurde schon langsam dämmrig. In Lorne hatten wir dann aber einen netten Spot gefunden, es stand zwar No Camping mit einem durchgestrichenen Zelt da, aber das hatten wir in Tasmanien ja auch schon gehabt und da hat sich ja auch niemand beschwert. Ein Blick auf die Karte ließ auf einen wunderschönen Sonnenaufgang spekulieren, denn wir guckten mit diesem Parkplatz direkt am Wasser ziemlich genau in Richtung Osten. Da lohnt es sich doch mal, den Wecker auf 5.00 Uhr zu stellen.
5.00 Uhr. Der Wecker klingelt, ich gucke so aus dem Zelt raus, draußen ists aber leider noch zappeduster und von Sonnenaufgang noch nichts zu sehen. Wir legen uns wieder hin und schlafen noch ein bisschen, wir wachen ja schon wieder auf. 6.00 Uhr. Wir werden wach. Aber irgendwie ist das nicht unser Wecker, der uns wachgemacht hat. Naja, erst nochmal rumdrehen. Plötzlich ruckelt es an der linken unteren Zeltstange mit den Worten "ID please!" Hm, das hört sich ja nicht so gut an. Naja, es hilft ja nichts, aufstehen, Portmonée und raus. Da wartet ein älterer Herr auf mich mit Rahmenbrille und guckt über selbige, wie die alte Lehrerin mit dem Muttermal auf der Nase den schüler anguckt, der was ausgefressen hat. Und labert von Offence to camp und so. Naja, ich versuche mich rauszureden, wir haben die Schilder nicht gesehen, sind lange gefahren und im Dunkeln angekommen, da war es nochmal schwerer. Aber ich sehe schon sehr früh, dass sich dieser alte Herr wohl nicht in seinen Job reden lässt. Dafür hat er scheinbar schon zu viele Penalties ausgesprochen.
Naja, er nimmt dann mein Daten auf und schreibt sie auf ein buntes Zettelchen und drückt mir dann die Durchschrift in die Hand und sagt AU$125 für nichterlaubtes Übernachten in einer Built-Up-Area. Und da kann ich wohl noch von Glück reden, normalerweise gibts diesen Betrag pro Person, aber ich glaube, er hat diese Sätze schon so oft gesagt, dass es fast zum Gesetz geworden ist.
Damit hatte also die teuerste Übernachtung bis jetzt (und hoffentlich auch bis zum Ende meines Aufenthalts) ein jähes Ende genommen. Aber, das muss ich auch sagen. Der Weckservice war Eins A. Denn kurz nachdem der Fritze weg war, ging die Sonne auf. Naja, da kann man doch auch schon mal etwas Geld bezahlen, nicht? Nicht. Genau.
Naja, was soll man machen, wir hatten ja jetzt den Tag vor uns und haben erstmal unser Frühstück mit Sonnenaufgang genossen.
Dann ging es los, heute waren wir drauf und dran, sämtliche weitbekannten Punkte der Great Ocean Road abzuarbeiten und damit selbige auch zu beenden. Also auf, den Peer von Lorne noch angeschaut, und dann die Küstenstraße entlang, von der schon so viele geschwärmt haben. Und es sind mit uns dreien noch ein paar mehr dazu gekommen. Für diesen Tag waren übrigens 41°C angesagt und die wurden es auch. Die Sonne ballerte ganz schön ordentlich, das Wasser dementsprechend war genial. Am Strand leicht hellblau-türkis, je weiter man nach draußen auf die große See schaute, desto tiefblauer wurde es. Aber nicht so tiefschwarzblau, sondern eher wirklich tiefblau. Ultramarin. Wunderbar (Ich hoffe, ich habe euch jetzt alle neidisch gemacht ;-p ...).
Am Jamieson Creek haben wir eine kleine Obstpause eingelegt und sind dann weiter gefahren, die sich um die Felsen schlängelte und wunderschöne Blicke auf Steilküsten, Buchten und Strände gewährte. Vom Cape Patton Lookout gabs einen genialen Blick auf Apollo Bay, wo wir dann an einem schattigen Plätzchen Mittagspause machten. Etwas weiter, verprach das Cape Otway einen ziemlich alten Leuchtturm zu haben und dazu sogar noch eine Telegraphenstation von irgendwann ganz alt (für Australien, versteht sich) und haste nicht gesehen. Also fahren wir doch mal die 15km von der Strecke ab, Richtung Küste. Dort angekommen, stellen wir allerdings mit Verwunderung fest, dass wir erstmal nichts sehen. Außer einem Tor und einem Visitor Centre nebendran, das auch noch eine Preisliste aushängen hat. Nun, wir hätten uns also für AU$ irgendeinen weiteren Leuchtturm und diese Telegraphenstation angucken können. Pro Person. Genial, oder?
Haben wir natürlich nicht gemacht. Sondern sind zu einem Lookout gelaufen; der Weg zu diesem war ganz versteckt und schlecht gekennzeichnet in der hintersten Parkplatzecke. Und Lookout ist auch etwas übertrieben. Es war einfach eine Stelle auf dem Wanderweg, der die komplette Great Ocean Road-Küste entlang geht und wo man durch ein Wunder der Natur keine Büsche vor dem Blick hatte. Der Leuchtturm war weit weg und man hat ihn auf nicht komplett gesehen. Also alles etwas lächerlich.
Wie auch immer, also haben wir gemacht, dass wir weiterkommen. Auf dem Rückweg fahren wir, wie auf dem Hinweg natürlich auch, durch Eukalyptuswälder. Da das nichts Seltenes ist hier in Australien und ich schon durch zahlreiche durchgefahren bin, denkt man ja nichts dabei. Ich bin ja aber nicht irgendwer und nur ein Mann mit zwei "n" und deshalb denke ich so manchmal: "Sind denn da jetzt eigentlich irgendwo Koalas drin?" Und diesmal, als wir Richtung Leuchtturm gefahren sind, habe ich das mal laut gedacht. Und jetzt, als wir zurück fahren, stehen ein paar Autos plötzlich am Straßenrand. Mitten im Nichts. Hier ist nichts anders als in den fünf Kilometern vorher. Naja, wie auch immer. Jedenfalls halten wir auch mal an, schaulustig sein macht ja Spaß. Und was sehen wir da? Koalas!
Einer hängt auf zwei Meter Höhe halb im Runterfallen (natürlich im Koalatempo) auf nem Ast drauf und mampft gediegen vor sich hin. Ein paar andere sitzen weiter oben in den Bäumen, insgesamt kommen wir auf 13 Koalas an einer Stelle. Unglaublich. Meine ersten Koalas in der Natur und dann in einer Zahl, wie sie sonst nur im Zoo (und eigentlich nicht mal da) vorkommen.
Also hat sich dieser Ausflug dann doch noch in jedem Fall gelohnt, auch wenn der Leuchtturm selbst natürlich eher ein Reinfall war.
So, weiter gings. Wir kommen den berühmten Sachen näher. Zunächst aber nochmal zu den weniger berühmten aber genauso spektakulären Gibson Steps, in die Steilküste gehauene Treppen, die runter zum Strand führen und zwei apostelähnliche Felsformationen in Küstennähe haben. Dort sind wir dann auf dem fast unberührten, obwohl gutbesuchten Strand entlanggeschlendert, in Richtung der zwei Felsen. Die Strömung ist echt heftig gewesen, die Wellen ziemlich stark und berechenbar und lassen manchmal einen großen Teil des Strandes frei, um ihn dann in der nächsten Sekunde mit einer riesen Welle wieder zu bedecken, aber wir wollten ja auch nicht schwimmen gehen. Jedenfalls bin ich dann, als wir wieder zurückgegangen, auf einem wassernahen Strandabschnitt gelaufen und habe mir so die Kalksteinküste angeschaut. Und plötzlich rauscht es nur noch. Und rauscht. Und rauscht. Und meine Füßen werden nass. Und ich gucke runter. Und sehe meine Sonnenbrille, im Wasser. Die war doch gerade noch auf meinem Kopf, wie geht das? Ich gucke, will sie aufheben, und pllötzlich wird sie vor meinen Händen weggerissen. Das Wasser hatte wohl Hunger auf eine Sonnenbrille und hat dann meine verschlungen. Wir haben dann noch gewartet und gehofft, dass sie mal wieder rauskommt aus dem Wasser und haben sie auch noch zweimal kurz gesehen, aber da kam schon wieder die nächste Welle und vergrub sie unter sich. Jetzt hatte ich auch die Erklärung für die verbogene Sonnebrille, die ich etwas weiter hinten am Strand gefunden hatte, Naja. Sonnenrbrille Nr. 3 (Kurz zur Erinnerung: Nummer 1 hat Julien beim ACC-Abschieds-BBQ durch Draufsitzen kaputt gemacht und Nummer 2 ging verloren in den Müllbergen nach Silvester). Naja, schade zwar, aber ich hatte ja noch eine, da ich die verlorene und die verbliebene im Doppelpack auf dem Sonntagsmarkt in Merimbula gekauft hatte.
Nicht zu ändern.
Jetzt aber, wenn es eine Sache gibt, mit dem die Great Ocean Road verbunden wird, dann ist es das, oder sind es die: The Twelve Apostels. Spektakuläre, von der Küste durch die jahrelang einwirkende Kraft des Wassers abgetrennte Felstürme, die sich in der Vorabendsonne mit dem spiegelnden Wasser und den kraftvollen, sie immer noch bearbeitenden Wellen wie Säulen erheben und jeden Besucher in ihren Bann ziehen (Schön gesagt, nicht?). Uns natürlich auch. Aber man sieht gar nicht zwölf. Zwölf werden es nur, wenn man mit drei Kisten Bier den Seegang der über 80 Schiffe imitieren möchte, die bei der starken Strömung an der dadurch zu ihrem Namen gekommenen Shipwreck Coast gesunken sind. Scherz, natürlich. Nein, zwölf sind es oder waren es und man sieht sie bloß nicht mehr. Heißt, manche sind nur noch unter Wasser als Fundament, da diese schon dem Wasser nachgeben mussten. Zu deutsch: Irgendwann in Zukunft wird man noch weniger Apostel sehen als wir zu dem Zeitpunkt. So jetzt, Schluss mit dem pathetischen Gelaber.
Weiter gings, Loch Ard Gorge mit der Thundercave, wieder eine spannende Felsformation mit heftiger Brandung und so etwas wie einem Blowhole von Philipp Island. Also kein richtiges Loch so im Fels, sonder mehr eine Höhle, wo das Wasser mit starker Strömung reingebracht wird, dann die Wand hochschießt, an der Decke wieder in die horizontale Richtung wechselt und nach draußen geschleudert wird. Und so.
Wie auch immer, jetzt zu einer Formation wie die Apostel vielleicht vorher mal ausgesehn haben, der London Bridge. Ziemlich sicher ist allerdings, dass sie irgendwann mal so aussehen wird wie die Apostel. Für mich ist Bridge, obwohl sie nicht mehr ganz ganz ist, fast noch toller als die Apostel. Apostel, Apostel, Apostel - ich finde einfach kein gängiges Wort dafür, tut mir Leid. Jedenfalls ist die Brücke einfach die Verbindung zweier Felstürme, beziehungsweise, das, was von der Auswaschung zwischen beiden übrig geblieben ist. Sie war auch mal mit dem Festland verbunden, das ist gar nicht so lange her. In den mittleren Neunzigern nämlich ist die Verbindung plötzlich, mir nichts, dir nichts, eingestürzt. Auf der verbleibenden Felsbrücke, nun abgeschnitten von der Küste, waren zwei Menschen, auf dem eingestürzten Teil... Man weiß es nicht ;). Nein, niemand ist umgekommen, schreiben sie zumindest. Und sie schreiben auch, dass die zwei schon nach 9 Stunden oder so mit dem Helikopter abgeholt werden konnten. Gut, oder? Perfekte Plätze mit der Sicherheit, die letzten Touristen für eine lange Zeit auf diesem Ort zu sein...
Naja, da waren wir auch schon fast wieder durch mit sehenswerten Sachen von der Great Ocean Road. Jetzt blieb nur noch The Grotto auf dem Programm. Eine echt interessante naturgemachte Konstruktion, die wie ein Fenster in einer Mauer einen Blick auf den Ozean gewährt. Nun, da es ja schon relativ spät war und wir bis zum nächsten kostenlosen Rastplatz noch eine Ecke Weg zu erledigen hatten, haben wir dort gleich noch zu Abend gegessen und sind dann weiter gefahren.
Nachdem ich extrem müde geworden bin, ist die hellwache Leo gefahren, ich bin sofort weggeratzt und Nele schlief sowieso schon... Highlights dieser Nachtfahrt: "Siehst du da überhaupt noch was aus dem Fenster, wenn der Franz schläft?" (Nele) und als wir dann so in dem Ort waren, wo der Campingplatz in der Nähe war, fragte mich Leo, wieviel es von da aus noch sei und da das die allererste Frage war, die mir nach dem Schlaf auf dem Beifahrersitz gestellt worden war, sagte ich ganz spontan "Fünfzig." Aber warum, weiß ich nicht mehr. Es waren jedenfalls keine fünzig, sondern so drei, vier und die Angabe über die Location der Rest Area war auch fehlerhaft, also naja. Jedenfalls sind wir dann irgendwann gegen nachts halb zwei da angekommen, haben unseren Zeltstandort und Parkplatz mit Taschenlampen ausgekundschaftet.
Schnell noch das Zelt aufgebaut und dann rein. Gute Nacht. Was ür ein langer und ereignisreicher Tag!
Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist es natürlich schon spät, dann haben wir noch rumgehangen und das hat es noch später werden lassen. Also war es schon halb drei bis wir uns das erste Mal geographisch auf der Karte fortbewegt haben. Einkaufen, kostenlose, eiskalte Duschen in Bridgewater Bay abgeholt und dann ist uns aufgefallen, dass es ja wirklich verdammt spät ist und wir gar nicht mehr so weit kommen können, wenn wir nicht wieder so durch die Nacht tuckern möchten. Deswegen haben wir uns dann nach einem kostenlosen Spot in der Nähe umgesehen und in Dartmoor einen entsprechenden gefunden. Der sah dann auch ganz nett aus, eine Lichtung mit Bäumen außen herum, wo alle standen, die da waren und der Ecke unter den Bäumen, die nah zu den Toiletten, aber ohne Menschen war. Prima, dachten wir uns, wenn die alle so dumm sind, dann gehen wir doch da hin. Also, hingefahren, Motor aus, Tür auf. Irgendetwas summt. Und es wird nicht lauter, es ist kontinuierlich. Was zur Hölle ist das? Ich guck auf meine Arme. Fünf Mücken nach zwei Sekunden, die ich aus dem Auto war. Heiliger Bimbam! Weg hier! Auf die Lichtung. Da sitzt einer ganz easy in kurzer Hose und T-Shirt auf seinem Campingstuhl. Hier muss es besser sein. Mein Gott, da summt es nicht mehr, aber die Mücken werden nicht weniger. Verdammte Kacke! Weg hier! Näher an die Straße. Dort waren immer noch extrem viele und man konnte auch nichts machen. Wir hatten natürlich kein Mückenspray, hatten wir ja noch nie gebraucht, also warum auch. Dann kam ein älteres Ehepaar an, die auch da campen und die wir mal um einen Rat fragten, was man denn gegen die Mücken tun könne. "So schnell wie möglich rein!" Oder ein Feuerchen mit frischem Gras, von dem es da genug gab, auch in trockenem, weil vorher gemähten Zustand. Und dann in den Rauch reinstellen und Klamotten einräuchern. Also habe ich da mal ein bisschen rumgezündelt und Rauchzeichen gegeben. Und im Rauch war es ganz gut mit den Mücken, aber die waren so auf Droge, die sind dann auch gekommen, obwohl ich komplett nach Rauch gestunken habe. Naja, jedenfalls habe ich das mal beibehalten mit dem Feuerchen und immermal wieder Gras nachgelegt. Irgendwann kommt von dem letzten Haus im Dorf, das halt nunmal das nächste an unserem Schlafplatz war, die Eigentümerin nach Hause. Und brüllt erstmal von Weitem das ganze Dorf zusammen, ob wir denn da ein Feuer machten und dass es doch eine Total Fire Ban gebe und dass der Officer nur eine Straße weiterwohnt und sich das doch gerne mal angucken würde. Naja, ich sage dann irgendwie, huch, das habe ich ja gaaar nicht gewusst und sorry. Total Fire Ban. No Fires. Ja, sorry, es tut mir ja Leid. No Fires. Total Fire Ban. Haja, Ruhe jetzt, alte Schnepfe. Boah, wenn die auch nur einmal auf dieser Wiese gewesen wäre, wüsste sie, warum es notwendig war. Aber sie hat sich glaube ich nur geärgert, dass sie noch nicht schlau genug gewesen war, um selber darauf zu kommen. Jedenfalls war damit unsere letzte Chance gegen die Mückenplage auch erledigt. Also nur noch alles schnell ins Auto krachen und rein ins Zelt. Gott sei Dank war da keine Mücke.
Jetzt konnten wir mal persönliche Bilanz ziehen. Mein Rücken war rotgepunktet wie ein Damenbadeanzug, obwohl ich mein langärmeliges Hemd in meine lange Hose gesteckt hatte. Jeder von uns hatte wohl so 30 Mückenstiche. Pro Körperteil, und das ist echt nicht übertrieben.
Naja, geschlafen haben wir trotzdem nicht übel.
Am nächsten Morgen konnten wir dann den ganzen körperlichen Schaden sehen und der war echt nicht ohne. Mückenstiche an Knien, Füßen, Armen, Händen und sonst überall, wo man es sich nur vorstellen kann und auch da, wo nicht. Das Frühstück verlief dann ungestörter als das Abendessen und wir verbrachten einen Großteil der Zeit mit Jeder-findet-die-Stelle-seines-Körper-die-am-meisten-mit-Mückenstichen-übersäht-ist (Resultat: Bei mir der Rücken und mein linker Fuß. Bei Leo: Die Füße. Bei Nele: Nix. [Natürlich war Nele am Abend zu vor am lautesten von der Dorfbewohnerschaft zu hören]) (Anm. d. Verf.: Auf Wunsch einer einzelnen Dame erlaube ich mir folgende Richtigstellung: Zitat: "Meine ganzen Beine waren voller Mückenstiche, ja?"). Los gings, heute wollten wir mal wieder mehr schaffen als an dem halb vergammelten gestrigen Tag.
Erster Halt, Mt Gambier mit dem Umpherstone Sinkhole. Sinkholes sind Löcher im Kalkstein, der in dieser Region das Grundgestein darstellte. Keine kleinen, ordentlich groß sind die Dinger. So groß, dass man da einen Garten reinbasteln kannn - das Umpherstone Sinkhole. Ich glaube, man kann diese Sache auch als Doline bezeichnen, wenn ich mich an mein Geographiewissen richtig erinnere. Und der Garten im Loch war echt schön. Mit Efeu, der von der Wand hing, so mächtig und lang, wie ich noch nie Efeu gesehen hatte und so vielen Hortensien und einigen anderen netten bunten Blumen.
Nicht viel weiter, fast um die Ecke, gab es den Blue Lake zu sehen. Und blau ist gar kein Ausdruck. So ein blau ist blauer als blau. Natürlich anders als das Wasser der Great Ocean Road, das auf sein Weise ein schönes Blau war. Aber hier das war so intensiv, das glaubt man gar nicht. Übrigens auch wieder in so einem Loch im Kalkstein drin. Echt schick.
So, genug vom Blau erzählt, ihr denkt ja jetzt schon fast, ich wäre selber blau. Bin ich aber nicht, zumindest dann nicht, wenn in den öffentlichen Wasserhähnen nicht lupenreiner Alkohol ausgeschenkt wird. Da hole ich mir nämlich immer mein Wasser her. Glaube ich aber nicht.
Mittagspause haben wir dann in Beachport gemacht, einem tollen Badeort mit tollem blauen Wasser (wieder ein anderes blau, sorry), toller Jetty (knapp an die 800m ran), tollem weißen Strand und dollem Wind. Ein Glück, dass es da so ein Pavillon gab, in dem wir windgeschützt kochen konnten. Aber das war schon ziemlich voll belegt mit den Sachen von ein paar vielen Schulkindern, die da gerade Surf-/Schwimmunterricht hatten. Aber wir haben uns einfach so dazwischen gesetzt und das ging dann auch.
In Kingston an der Jetty gabs dann eine eiskalte Dusche für Nele, Leo und ich haben nur unserem Kopf das halbgefrorene Wasser angetan. Gegessen haben wir auch gleich (Gurkensalat und Rühr-Ei alá Nele), die Sonne ging dann schön unter und dann sind wir noch etwas gefahren bis zur 42 Mile Crossing Rest Area. Und so holprig, wie sich dieser Name anhört, war auch der Untergrund. Wenn man es nicht anders wüsste, hatte man denken könnten, dass irgendwer einfach seinen Beton dahingekippt hat und dann mit der Rüttelmaschine etwas drin rumgefummelt hat, um es etwas klatt zu kriegen, aber gerade noch so viele Steine draußen zu lassen, dass es sehr unangenehm wird, wenn man keine Luftmatratze hat wie wir. Aber mit der Aerobicmatte war es auch ganz in Ordnung.
Am nächsten Morgen sind wir an Tanganekald vorbeigekommen, einem indigen bedeutsamen, von einer Landzunge vom Ozean abgetrennten See, der jetzt aber nicht so spektakulär war. Genauso wenig erwähnenswert sind Meningie, wo wir uns bei dreißig Grad im Schatten auf den öffentlichen Sportgeräten in der prallen Sonne im Rudern, Schwingen und Crosstrainer versucht haben, und Tailem Bend, wo wir nur tanken waren.
Dann gab es aber wieder was Interessantes, naja, Sehenswertes, naja, eine Stadt, die man sich mal angucken kann, nämlich Hahndorf. Wenn sich jetzt einige sagen, ach was, die fliegen nach Australien, fahren die Great Ocean Road entlang und kommen bei mir im Nachbardorf an, liegt ein kleines bisschen falsch. Denn Hahndorf ist die erste deutsche Siedlung in Australien. 1839 gegründet, leben jetzt null Deutsche hier und nur ganz wenige Alte können wohl noch Deutsch reden. (Bis auf Wuunderbar, das kann hier fast jeder.) Darüber gaben uns zumindest die Dame und der Herr aus dem Visitor Centre Auskunft. Und wir erhielten sogar noch eine deutsche Kopie der Ortsgeschichte. Wahnsinn, nicht?
Jedenfalls sind wir dann so ein wenig durch die Stadt geschlendert, das heißt, die eine Seite der Haupstraße hoch und auf der anderen Seite wieder runter. Und in den Shops haben wir so manche deutsche Sachen entdeckt: Apfelrotkohl, Sauerkraut, Knacker, Saure Gurken von KNAX (alles mit deutscher Aufschrift und von den in Deutschland bekannten Marken) und in einem völlig bayernverblendeten Deutschlandladen Kuckucksuhren, Bierbempel , Nussknacker und drumdrum. Und natürlich die Musik des einen Pubs, die mich gleich zu einer freien Interpretation des Schuhplattlers inspierierte. Leider hat mir niemand Geld hingeschmissen. Und einen Blumentopf habe ich auch nicht bekommen. Mist.
Dann waren wir kurz vor Ladenschluss beim deutschen Bäcker, haben nen Pfannkuchen (Krapfen oder wie auch immer; das, mit der Marmelade innen drin) und ne Apfeltasche gegessen, waren da aber nicht so erwünscht, da stand dann nämlich schon der Staubsauger mitten im Weg und als ich nach einem Messer fragte, wollten sie mir auch erst nicht so richtig eins rausrücken. Naja, nicht so nett, und eher mit spanischem Akzent als mit deutschem.
Das einzige, was Hahndorf für mich von den Städten Australiens, die ich bisher gesehen hatte, unterschied, war, dass die zwischen Straße und Fußgängerweg ein paar Bäume standen, es mehr Schatten gab und manche Häuser aus Stein gebaut waren.
Nun hatten wir also so ein paar Stunden in Hahndorf zugebracht und wussten auch nicht mehr so richtig, wohin mit uns, nach Adelaide wollten wir auch nicht mehr. Die netten Leute von der Touristeninformation hatten uns entweder den Caravan Park in Mt Barker empfohlen oder den in Hahndorf. Da wir sowieso noch einkaufen mussten und die nächsten größeren Shops in Mt Barker waren, sind wir dann dahin gefahren. Nach unserer Einkaufstour zum Campingplatz, der war aber leider schon voll. Also wohl doch zurück nach Hahndorf.
Der Campingplatz dort war zwar recht teuer, naja, verglichen mit den kostenlosen Plätzen, an die wir uns gewöhnt hatten, aber immer noch billiger als wenn wir alle in ein Hostel gegangen wären. Und wir hatten endlich wieder mal warme Duschen. Hach, wie gut das tat. Und sogar einen Pool, in den wir vorher nochmal reingesprungen waren.
Da wir erst bis um elf ausgecheckt haben mussten, sind wir gemächlich in den Tag gestartet und haben es dann sogar noch um fünf Minuten verfehlt. Aber wahrscheinlich hätten wir da noch den ganzen Tag stehen können, denn als ich an der Resortrezeption nachfragte, was man machen muss, um auszuchecken, bekam ich nur als Antwort: „Losfahren.“ Das geht ja einfach. Dann taten wir das doch auch. Jetzt aber mal Richtung Adelaide.
Vom Mt Lofty haben wir dann noch die Aussicht auf Adelaide - genossen ist vielleicht das falsche Wort, dazu war es zu diesig und nicht sonnig, sondern leicht regnerisch und luftig auf dem Mt Lofty - also angeschaut, und sind dann in die Mt Lofty Botanic Gardens gegangen, die jeder normalgesinnte Bürger als stinknormalen Wald mit manchmal geteerten Wegen identifiziert hätte. War also auch nicht so berauschend.
Dann gings aber wirklich mal nach Adelaide. Und naja, wegen Hostel haben wir uns mal noch keine Gedanken gemacht, wir sind erstmal in einen Park, haben Mittag gemacht und so auch noch ein bisschen rumgehangen. Frisbee gespielt, aber es war echt verdammt schwül dann mit der Zeit. Die Sonne schien so ein bisschen durch die Wolken durch, aber warm war es... Puhh.
Gegen vier sind wir dann mal aufgebrochen, um uns nach einer Unterkunft für die nächsten drei Nächte umzuschauen und haben dann mit Erstaunen feststellen müssen, dass es kaum noch freie, geschweige denn billige Hostels gibt. Das erste war nicht schlecht, hatte aber keine Parkplätze und ich wollte mein Auto nicht alle zwei Stunden umparken. Dann hatten wir noch das YHA gesehen, das war auch schon voll und dann sind wir ins Sunny's gegangen. Nele und ich erstmal, Leo hat noch telefoniert. Mit einer alten Hexe im pinken Schlafanzug hinter dem Rezeptionstisch.
"Hallo, wir wollten mal fragen, ob Sie noch Vacancies (mir fällt das deutsche Wort gerade nicht ein) haben?"
"Sorry, wir sind voll ausgebucht."
"Nagut, ok. Dankeschön."
"Moment, wie lange wollt ihr bleiben?"
"Drei Nächte."
"Nee, dann haben wir doch nichts mehr."
"Nagut, ok. Dankeschön."
"Moment, ihr seht so gut zusammen aus. Wenn ich die hier da reinstecke und den in das Zimmer, habe ich noch zwei Betten frei."
"Oh, gut. Wir sind aber drei."
"Nee, dann ists voll."
"Nagut, ok. Dankeschön."
"Halt, es geht, also drei Personen für drei Nächte, ja?"
"Ich denke schon, oder?"
(Wir schauen uns nochmal an.)
"Hoffentlich, weil sonst kann ich euch nicht mehr reinstecken."
"Ja, in Ordnung."
"Gut."
Also Gesichtskontrolle schonmal bestanden, gut. Unterkunft haben wir jetzt auch für die drei Nächte, bis der Zug nach Alice Springs fährt. Prima.
Dann parke ich doch gleich noch das Auto hinterm Haus und dann gehts in unsere Zimmer.
Und jetzt ist Schluss mit diesem Post. Wir sind in Adelaide angekommen, haben die Great Ocean Road hinter uns und schauen jetzt auf drei Tage Stadtbesichtigung, bevor es ins Red Centre geht. Wir freuen uns drauf.
Fortsetzung folgt.
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