(Anm. d. Verf.: Eigentlich hatte ich vor, die komplette Reise von Adelaide nach Alice Springs und zurück in einen Post zu schreiben. Da wären wir auf dreizehn Seiten (!) gekommen. Da ich euch so riesige Posts echt nicht antun wollte, ist dieser hier die Zugfahrt und der erste Tag in der Stadt. Viel Spaß dabei. Bilder kommen, sobald meine Steuerungstaste wieder funktioniert, denn sonst habe ich Probleme, die Bilder auszuwählen.)
Da stand er nun direkt vorm Auto, der Ghan, ein langer langer Zug mit Wagon an Wagon, etwas Old-School-Style, aber doch irgendwie schick, überall mit dem typischen Ghan-Emblem unter den Fensterchen, durch die man nur schwer durchschauen oder etwas erkennen konnte.
Da wir vorsichtshalber nochmal zum Terminal gegangen war, um wirklich mit letzter Sicherheit zu wissen, dass wir endlich in diesen Zug steigen können, nahmen wir nun unser Gepäck endgültig reiselustig aus dem Auto, verabschiedeten uns von diesem treuen Begleiter und checkten ein. Das ging alles sehr easy und schnell, und dann mussten wir nur noch auf das Zeichen warten, um einsteigen zu können. Vertrieben haben wir uns die Zeit mit den Snacks, die es freundlicherweise kostenlos gab.
Zack, war die Zeit rum und wir begaben uns zum Zug. Und wir mussten natürlich bis ans Ende des Wagens, dorthin, wo sich die Holzklasse befand, selbstverständlich mit einem nichtssagenden Namen als Red-Klasse bezeichnet. Zum Vergleich: Daneben gibt es Gold, Platin und ich glaube sogar Diamant, also Rot, wie Rot, so Rot wie Rosen, ist jetzt nicht reizend. Für uns gab es zwei Wagen, Nele und Leonie waren in einem anderen Wagen als ich untergebracht, aber wir hatten vorher gefragt, ob man sich umsetzen kann und das war überhaupt kein Ding, nachdem einmal die Tickets kontrolliert worden waren. Das heißt, wir waren schon zehn Minuten gefahren, als dann mal der Schaffner durchguckte, ob alle da sind und ob alle bezahlt hatten.
Wie auch immer, los gings, auf die bisher längste Zugfahrt meines Lebens, 25 Stunden in einem Zug einfach nach Norden, naja, zumindest so ungefähr. Die Reiseroue verlief nämlich zunächst, bis Port Augusta, entlang der Küste und hielt sich lange Zeit neben dem Highway, der diese Region mit Adelaide verbindet. Von Port Augusta, das ziemlich genau an der nördlichen Spitze des Spencer Gulfs liegt, der großen Bucht, die auch Adelaide mit seinen Stränden bestückt, gings dann aber meist ziemlich gerade aus. Kurz vor Port Augusta glaube ich, hatten wir die kurvigste Stelle der ganzen Reiseroute hinter uns gebracht, einer der wenigen Male, wo man den Anfang des Zuges überhaupt sehen konnte. Die ersten paar Stunden fährt der Ghan verhälnismäßig langsam, kommt selten über die 100km/h hinaus und es ist echt nicht viel los.
Neben mir sitzt Jens, ein Kraftwerksbauer von Siemens aus Erlangen, der gerade zwei Monate Urlaub in Australien macht und sonst aufgrund seines Jobs auch viel unterwegs ist und weltweit Anlagen installiert, aber Gott sei Dank keine Atomkrafwerke, sonst hätte ich mit ihm mindestens die halbe Fahrt über Sinn und Unsinn von AKWs diskutiert.
Obwohl beide Wagen der roten Klasse angehörten, gab es doch deutliche Unterschiede in der Ausstattung. Bei mir im Wagen S waren die älteren Sitze untergekommen, die Holztische befanden sich unter den Bänken und konnten bei Bedarf aufgestellt und in die Seite gesteckt werden. Die Sitze waren nicht so gut verstellbar wie bei den Mädels, weshalb unsere Schlafplätze für die Nacht schon ziemlich einfach gefunden waren. Übrigens gibt es auch im Ghan diese gute Eigenschaft mancher australischer Zugabteile, dass man die Bänke, zunächst alle in Fahrtrichtung ausgerichtet, einfach herumdrehen konnte, um einen Vierer zu haben. Das ist so mega praktisch, dass wir das gleich mal praktizierten, um unser Mittag für Tag eins zu Essen. Diesmal hatten wir auf Toast, Ei, Gurke und Streichkäse geplant. Lecker. Jens war beeindruckt.
Die Fahr an sich verläuft klimatisiert sehr angenehm und entspannend, einfach mal nichts zu machen tut ganz gut, etwas nachdenken, Tagebuch schreiben, aus dem Fenster gucken, erzählen oder dösen sind Hauptbeschäftigungen. Und natürlich immer mal was essen. Aber ganz ehrlich: Sehr hungrig wird man nicht, wenn man da rumgefahren wird. Und auch wenn gesagt wird, wir sollten uns doch bitteschön frei fühlen, uns im Zug zu bewegen, kamen Nele und ich bei unserer ersten Zugerkundung nicht weiter als in drei Wagen. Zwei von unserer roten Klasse und dem Bistro. Dann gibt’s noch die Lounge, dort kann man für ich glaube $10 oder $15 einen Pass kaufen und kriegt dauerhaft Tee und Kaffee kostenlos, aber wenn man den nicht hat, kommt man nicht weit. Also mussten wir uns mit der lächerlichen, unglaublichen Weite von drei Wagons begnügen, um mal auf Wanderung zu gehen und uns die Beine zu vertreten.
Duschen und Toiletten gibt es auch, Trinkwasser kann man ebenso auffüllen, also eigentlich kann man in dem Zug auch leben. Wenn es nicht zu langweilig wird und man, so wie ich, interessante Reisepartnerinnen hat, mit denen es nie langweilig wird. Dankeschön.
Die Landschaft dagegen ist ganz interessant, aber nicht atemberaubend wechselhaft, alles so nicht grün und nicht rot, eher ein einheitliches, ziemliches trockenes Ocker in den ersten paar Stunden. Dabei fahren wir durch eine ziemlich große Ebene, rechts und links in der Entfernung sehen wir die Talhänge. Beziehungsweise Wände, denn ein Hang ist für mich nicht senkrecht, diese waren es aber schon fast. Zumindest sah das vom Zug heraus so aus.
Später kommen wir in Bereiche, die ziemlich grün sind, eigentlich sehr grün und grüner, als man sich das Red Centre vorstellt. Da fällt mir doch gleich der Grund ein, warum man unsere Klasse als rote bezeichnet hatte: Es ist so bequem, wie wenn man mitten im Outback ausgesetzt wird und dann auf der roten Erde übernachten muss. Naja, so schlimm war es dann doch nicht.
So, dann gab es aber auch schon wieder Abendbrot, ich kann ja nicht meine ganzen Landschaftsschilderungen, Zugfahreindrücke und sonst was in den ersten Teil der Fahrt pressen und dann denkt ihr, am nächsten Tag ist gar nichts mehr passiert oder wir haben alles verpennt oder so. Schnitzeltoast und Nudelsalat mit Oliven und Öl und Essig. Leckerli.
Und um dann das Essern auch gut zur Verdauung zu bringen gabs gleich noch – nen Schnaps. Nein, einen wunderbaren, unglaublichen Sonnenuntergang, mit Farben, die ich noch nie bei einem Sonnenuntergang gesehen hatte und man wohl auch nur im Outback oder in sonst einer anderen gottverlassenen Steppe sehen kann. Jedenfalls war der so pink, so pink, so pink; der war pinker als der blaue See blau war. Zumindest so ungefähr. Echt atemberaubend schön. Naja, die Bilder sind zwar gut geworden, aber so ganz so gut kriegt man es ja leider doch nicht durch die Linse, vorallem, wenn man noch eine keimige Zugfensterscheibe vor sich hat und draußen sonst so ziemlich alles dunkel ist, während man innen denken könnte, man begibt sich gleich in den Kronleuchtersaal der Queen. Aber auch wirklich nur von der Helligkeit, nicht vom Komfort, um das mal nicht unerwähnt zu lassen!
Gut, geschmeckt hats, gesättigt waren wir, dunkel wars draußen schonmal und dann dauerte es auch nicht mehr allzu lange, bis auch drinnen auf Nachtbeleuchtung umgeschalten wurde. Endlich mal Zeit zum … Rumlaufen im Zug. Zwar hat sich das Rumlaufen aus obengenannten Gründen natürlich sehr knapp und eingeschränkt gestaltet, war aber definitiv mal interessant. Vor allem ist der Zug nachts so verdammt schnell gefahren. Würde mich nicht wundern, wenn der mal ein Känguru mitgenommen hat. Apropos. Das ist sowieso ziemlich ulkig. Da fährt man tausende Kilometer durchs Nichts, rechts von einem gibt es ewig Nichts, links, vorne und nach hinten sowieso. Und da gibt es so viel Platz für die ’roos. Aber sie sind immer wieder in der Lage, sich mitten auf die Bahngleise zu stellen, wenn einmal in der Woche ein Zug kommt. Und wenn es nicht der Ghan ist, dann passiert es mit dem Farmer oder sonst wem. Jedenfalls ist so verdammt viel Platz und wenn dann mal einer kommt, sind die Kängurus die ersten, die gucken wollen.
Aber es gucken auch ein paar andere Leute. Das ist auch wieder interessant. Man denkt, man fährt auf zwei parallelen Schienen, die sich im unendlichen Horizont treffen, wenn man sie denn sieht, einfach durchs schwarze Nichts hindurch und plötzlich blitzt es im Fenster? Also dass der Zug verdammt zügig unterwegs war, war uns klar, aber wer zur Hölle kümmert sich denn um die Geschwindigkeit, wenn sowieso keine Sau auf der Strecke ist. Aber da das mehrmals passierte, konnten wir dann doch mal sehen, wer das war: Da standen Leute an ihren Autos, meistens 4WDs, meistens weiß, meistens mit vollen Scheinwerfer relativ nah an den Schienen dran. Und guckten. Was sie danach machten, konnte ich nicht verfolgen, der Zug fährt ja keine Kurve, dunkel war es auch und aus dem Fenster lehnen kann man sich auch nicht.
So, naja, viel mehr Interessantes gab es von unser nächtlichen Wandelaktion nicht mehr zu berichten, es wäre interessant gewesen, ob der Schaffner, oder Train Manager ;), in der Lounge schon schläft und man sich auf diesem Wege vielleicht in die gehobeneren Klassen vorschleichen kann. Darauf bin ich aber erst jetzt gekommen und damals nicht, weshalb wir wieder zurück zu unseren Plätzen gingen und in die Schlafstellung begaben. Gute Nacht.
Geweckt wurde man durch Geraschel, Flüstern und sonstige unüberhör- und uningnorierbare Geräusche, größtenteils verursacht von Menschen, an das Brummen und Schaukeln und Quietschen des Zuges hatte man sich sowieso schon längst gewöhnt.
Sind wir etwa schon da? Nein, dazu war es noch nicht hell genug. Aber, es hatte einen sehr guten Grund: Den Sonnenaufgang. Der war vielleicht nicht ganz so schön wie der Sonnenuntergang, aber immer noch sehr spannend und besonders. Gut, dann konnte ich ja wieder schlafen. Also nachdem die Sonne aufgegangen war, versteht sich. Irgendwie hatte mich die Nachtwanderung so unglaublich fertig gemacht; wieder ein Beweis dafür, dass Zugfahren anstrengend ist und man eigentlich eines wochenlangen, körperlichen Trainings bedarf, um eine solch außergewöhnliche Reise anzutreten.
Wie auch immer.
Dann konnten wir ja Frühstück machen. Also die Mädels, ich hab das irgendwie gekonnt ignoriert. Jedenfalls hat mich Nele schon aufgeweckt gehabt und gefragt, ob ich mit frühstücken möchte, worauf ich geantwortet habe, dass ich gleich „aufstehen“ werde. Beziehungsweise eigentlich begibt man sich eher in den Zustand des Aufrechtsitzens. Und prompt wieder weggepennt bin. Kein Wunder, dass sie es dann aufgegeben hat. An meine gekonnte Unterhaltung konnte ich mich, als ich dann richtig wach war, nur mit Mühe erinnern.
Nun freute ich mich auf die Pfannkuchen. Wunderbar, nachdem ich mich so an die Sunny’s Pfannis gewöhnt hatte (Ach, da fällt mir ein, es sind natürlich Eierkuchen, aber im Englischen werden diese als Pancakes bezeichnet, weshalb ich mich an Pfannkuchen gewöhnt habe. Für die anderen Deutschsprachigen, die mit dieser Randnotiz überhaupt nichts anfangen können: Normalerweise heißen Pfannkuchen bei uns Eierkuchen, und das, was wir als Pfannkuchen bezeichnen, geht woanders als Berliner über die Ladentheke. Klaro?), konnten wir das doch gleich mal beibehalten. Zumindest für die Zugfahrt. Und ich stellte mir vor, wie ich die Marmelade dick über den goldbraunen Teigfladen streichen, für den nächsten dann zu Nutino übergehen würde (Billignutella) und vielleicht auf einfach nur mit Zucker den Pfannkuchen genießen könnte. Wunderbar! Das wird gut, da freut man sich doch auf den Morgen. Denn eigentlich habe ich mich schon seitdem auf die Pfannkuchen gefreut, als wir sie fertig eingepackt hatten. Man, sah das lecker aus. Das absolute Highlight der Zugfahrt. Im kulinarischen Sinne.
Zurück zur Realität. Kaum aufgewacht und direkt an ein resignierendes „Guten Morgen.“ angeschlossen, bekam ich die harte Wahrheit mitten ins Gesicht gesagt: „Wir finden die Pfannkuchen nicht.“ NEIIIIIN! Unmöglich. Die müssen doch irgendwo sein. Ich aufgesprungen, in das andere Abteil gegangen, nein, besser: gerannt, die Foodbags durchsucht, alles aus den Plastiktüten rausgefischt, unter den Sitzen geguckt, dahinter, im Abteil der Mädels noch geschaut, dort alles abgesucht … und habe ebenso resignierend und frustriert feststellen müssen, dass es doch nichts bringen würde. Die Pfannkuchen waren nicht im Ghan. Nicht für uns. Verdammt. Zeit zum Frustwegschlafen. Also den Sitz nochmal in die fast horizontale Position gebracht, aber kein Auge zugekriegt, weil ich mich so darüber ärgern musste. Boah, mein Gott. Es war nicht so, dass ich dem nächsten, der vorbeigekommen wäre und komisch gegrinst oder mich nur angeguckt hätte, die Fresse polieren wollte, aber es war einfach nur so dumm von uns und deshalb so ärgerlich, dass ich erstmal sprachlos aus dem Fenster gucken musste, von Zeit zu Zeit – eigentlich die ganze Zeit – den Kopf schütteln musste und mich mit gewisser Ironie und deutlichem Sarkasmus und über uns selber ärgerte.
Schlafen machte also keinen Sinn, warum dann nicht das unglaublich gute Ersatzfrühstück essen: Labbrige Toastscheiben mit Nutino. Und mal mit Marmelade. Mal was ganz Neues. Mir kams echt bald hoch. Gut, zumindest war ich dann schneller satt und konnte wieder aus dem Fenster gucken.
Immer noch ärgerlich, sah ich nun das angeblich Rote Zentrum Australiens, das erstaunlich grün ist. Mitunter ist es echt so, da fährt man ewig durch grüngrüngrün, florierendes Buschland, sieht zwar rote Erde, aber trocken ist es noch lange nicht. Es gibt sogar extrem viele Stellen, wo das Wasser, zwar in flachen Seen, aber immerhin, einfach steht, und das großflächig (Also alles ist relativ im Vergleich zur unglaublichen Weite des Nichts, aber man erwartet zumindest nicht so große Wasserbereiche.).
Manchmal ist es auch ganz besonders. Rechts vom Zug ist es ganz grün und die Büsche wachsen, die Grasbüschel sind groß und sehen frisch aus, es gibt sogar ein paar Bäume. Und links ist es rot. Und trocken. Und man sieht nicht so viel von der Flora auf der anderen Seite der Schiene.
Die Grenze zum Northern Territory hatten wir schlafend passiert.
Dann fährt man über den Finke River, für den es eine riesige Brücke gibt, man letztlich aber nur einen Rinnsal sieht. Und damit hat man noch Glück, das sagt zumindest der Train Manager. Man könnte fast denken, alles um den Finke River trieft förmlich vor Nässe, bloß ist das Wasser zu dumm, den Weg in das vorgesehene Bett zu finden. Das ist nämlich eine weitere, besondere Eigenschaft australischer Flüsse (Warum eigentlich eine weitere? No idea. Vielleicht klingts, als wüsste ich mehr ;)): Wenn es sie denn mal nicht nur als blaue Linien auf der Landkarte gibt, sondern auch in der echten Realität, dann gibt es sich doch nicht komplett. So viele Flüsse haben keinen Anfang und kein Ende. Mit dem Anfang ists mitunter einfach, aber ein richtiges Ende haben sie meistens nicht. Es ist ein vergeblicher Versuch, bei 40°C auf Sandboden Wasser vor der Verdunstung zu bewahren. Ähnlich, wie wen n man ein Kind – oder mich – ausversehen in ein Schokoladengeschäft einsperrt und hofft, dass am nächsten Tag alles noch wohl auf ist. Im Sinne von keine Schokolade weg und keine Bauchschmerzen.
Gut, wo waren wir stehengeblieben? Geduscht hatte ich dann auch, machen wir doch mal mit Mittagessen weiter. Die Zugfahrt war schon fast vorbei, schneller rumgegangen als gedacht.
Als wir in Alice Springs reinfahren, sieht man erstmal nur Barracken und nicht viel gute Häuser, aber wir sehen dann, dass es wirklich nur ein ziemlich weitentfernter Vorort ist. In Alice Springs, später mitunter der Einfachheit halber voraussichtlich nur noch Alice genannt, ist es heiß und schwül an unserem Ankunftstag. Gut, wir kommen auch fett zur Mittagshitze an und sind ziemlich froh, dass wir von unserem Hostel mit dem Shuttle abgeholt werden. Angekommen dort, können wir noch nicht einchecken, da es noch vor zwei Uhr ist und man das noch nicht darf. Auch später ist das Hostel eher penibel in den Zeiten. Nachdem wir von der Tour zurückgekommen waren und am nächsten Tag Frühstück machen wollten, dass es kostenlos gibt, bekommt man an der Rezeption zwei Scheiben Toast, fein säuberlich eingeschweißt. Und wenn man vier Minuten nach halb neun kommt, wie unser Freund Jan, dann bekommt man eben kein Toast mehr. Ja, etwas pingelich, nicht sehr australisch. Dafür war das Umbuchen keine Sache. Tja, man kann halt nicht alles haben.
Gut, also saßen wir also draußen und haben uns die Zeit mit Essen vertrieben, es waren ja noch ein paar Rester da. Nele hat dann ihren Beitrag zu meinem Blog geschrieben, den ich ja auch hier veröffentlicht hatte und dann war es nun wirklich Zeit zum Einchecken. Unser Zimmer befindet sich direkt über der Laundry, was gut für mich war, der ich sowieso schon seit Adelaide mal waschen wollte und jetzt endlich mal konnte. Außerdem gibt es zwei Pools, Gemeinschaftsbäder, die unerfreulich weit weg waren, das heißt, wenn man nachts oder nach dem Aufstehen mal ganz nötig das Bad benutzen wollte, musste man erst noch einen hundert Meter Sprint hinlegen. Naja, vielleicht nicht ganz so weit, aber es war nicht sehr praktisch gemacht. Das Areal im Allgemeinen ist sehr groß und es dauert ein paar Stunden, bis man neben den Weg zur Rezeption auch noch die anderen Sachen in die Kopfkarte einprogrammiert hat.
Unser Zimmer ist verdammt geräumig, klimatisiert und hat auch genügend Steckdosen. Es gibt sogar einen Kühlschrank und zwei Waschbecken. Von dieser Seite her hatte ich noch kein so gut ausgestattetes Hostel für $22 gesehen.
Aber sonst ist es halt etwas nervig weitläufig, die Küche ist etwas lächerlich und macht eher den Eindruck, die Leute in den hosteleigenen Pub, der auch Essen für unter $10 anbietet und nach eigener Werbung die billigsten Jugs im ganzen Northern Territory serviert (Bier in 1,1l-Krügen). Menükerten hängen auch an den Wänden mit der Frage „Heute wirklich kochen?“. Und es sieht so aus, als würde es funktionieren. Denn es gibt zwar dort auch zwei Kühlschränke, einer sogar mit Gefrierfach, aber die sind ziemlich für so ein großes Hostel. Genauso wie die Küche zur Hauptessenszeit. Aber gibt sowieso nur vier Gasstövchen, was wirklich lächerlich aussieht. Wenn wir abends kochen, kocht auch immer, wirklich immer, ein Japaner, mit dem ich mich später auch ein bisschen unterhalten hatte.
So, dann mussten wir noch in die Stadt und die Tour bestätigen. Das war ziemlich einfach, also die Tour zu bestätigen, anders als in die Stadt laufen. Denn das dauert zwanzig Minuten und ist nicht gerade schön. Denn einfach an so einer großen Straße entlang, und nicht viel zu sehen. Naja. In der Stadt ist an einem Dienstagnachmittag auch so mal überhaupt nichts los, Alice Springs hat 28.000 Einwohner, aber irgendwie verkriechen die sich alle. In der Fußgängerzone, für mich wohl eigentlich sowas wie der Stadtmittelpunkt, kommen uns zwei Fußgänger entgegen, die auch mehr wie Touristen aussehen. Die Shops sind ziemlich leer und die Verkäuferinnen schauen mit ebensolchem Blick aus den Schaufenstern, in der Hoffnung, dass vielleicht doch mal einer vorbeikommt. Und obwohl die Verkäuferin im Sussan, einem Damenbekleidungsgeschäft eine Kundin hat, schaut sie betröppelt aus dem Fenster raus. Etwas trostlos, diese Stadt. Nicht mein Lieblingsplatz in Australien.
Wenigsten hat der Supermarkt sieben Tage die Woche bis zwölf auf, da ist Alice schonmal besser als Adelaide, obwohl es nur 2,4% der Einwohner Adelaides hat, wenn ich jetzt richtig geschätzt habe.
Das Aborigines in Australien ein Problem sind, das nie so richtig gelöst wurde und immer auf die lange Bank hinaus geschoben wird, sieht man hier selbst mit geschlossenen Augen. Ich habe in Alice Springs nicht einen Aborigine mit lachendem Gesicht gesehen, auf mich machen sie eher einen bedrohlichen Eindruck, wenn sie an ihnen vorbeiläuft, denn sie gucken alle so verdammt grimmig, sodass ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll, denn eigentlich interessiere ich mich wirklich für diese Kultur und kann nicht sagen, dass alle Aborigines so sind, aber man sieht eben leider so verdammt viele, die einfach nur rumhängen, auf die Straße rotzen und einen anquatschen, ob man nicht mal ne Mark hat. Und die meisten stinken sehr unangenehm, und wenn sie stinken, dann haben sie alle denselben Geruch, egal ob man im Supermarkt oder auf der Straße an ihnen vorbeiläuft. Ich möchte kein schlechtes Bild von den Aborigines zeichnen, aber wenn man durch die Straßen in Alice Springs läuft, hat man keinen guten Eindruck. Auch nicht von den Australiern. Denn die ignorieren dieses Problem größtenteils und auch wenn man mit den meisten darüber redet, kann man ganz schnell falsch verstanden werden und sich unbeliebt machen. Rassismus hört man mitunter auch heraus. Aborigines sind eine Parallelgesellschaft, die neben der australischen, westlich-orientierten Bevölkerung lebt. Sie gehen in andere Pubs und reden kaum miteinander. Ich hätte gerne mal einfach so, wie man es mit Australiern machen kann, mit Aborigines geredet, aber ich bin immer wieder von ihrem bösen Gesichtsausdruck abgeschreckt worden.
Die Regierung gibt den Aborigines Geld zum Leben, was viele Australier ärgert, denn sie glauben daran, dass jeder das aus seinem Leben machen kann, was er möchte, ohne irgendwelchen finanziellen Mittel zu erhalten. Und wenn er dann welche erhält, wirklich was erreichen kann. Anders, als der Großteil der Aborigines. Wie sie über Geld denken, werde ich später in diesem Post noch erwähnen, denn das ist wirklich interessant und dann versteht man auch, warum sie so arm sind und wir kein System in ihrem Umgang mit Geld sehen. Sollte ich es wieder vergessen, erinnert mich einfach dran, denn das ist meines Erachtens wirklich wichtig.
So viele Aborigines liegen betrunken in den Parks, den ganzen Tag und machen nichts anderes. Dass es aber eine völlig andere Kultur ist, in die wir Europäer einfach so eingebrochen sind und ihnen unsere Lebensweise mehr oder weniger aufgezwungen haben, wird größtenteils vergessen.
Die Kultur der Aborigines ist unglaublich vielseitig und hat sich doch seit Jahrtausenden nicht geändert. Die Zeichnungen sind immer noch mit der gleichen Bedeutung belegt worden und wenn man einem heutigen Aborigine die Zeichnungen von vergangenen Jahrtausenden zeigen würde, könnte er sie immer noch verstehen. Das ist doch unglaublich. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass die meisten Aborigines auch in dieser Welt noch in der Lage wären, ganz normal zu leben, wie es ihre Vorfahren auch taten. Ob es das noch gibt, weiß ich wirklich nicht, ich hätte gerne mal einen richtigen Aboriginestamm gesehen, der nicht im Park rumlungert. Aber dafür muss man wohl ziemlich weit ins Outback fahren oder so. Ich weiß es wirklich nicht.
Es ist wirklich schwierig, Maßnahmen einzuleiten, um dieser Lebensweise vorzubeugen. Für die Kinder wäre es definitiv besser, wenn sie nicht mit den teils betrunkenen Erwachsen den Tag über vertrödeln, wenn man sie mit weißen in einen Kindergarten bringt und so einen geregelten Tagesablauf schafft, an den sie sich gewöhnen können. Aber das könnte man dann wieder als zu heftigen Eingriff in die Lebensweise und als Aufzwingen westlicher Lebensformen sehen. Und es tut mir Leid, dass ich immer von weiß oder westlich im Vergleich zu Aborigines rede, das klingt rassistisch oder abgrenzend, aber ich weiß einfach nicht, wie ich es anders beschreiben kann. Nur möchte ich erwähnen, dass ich der letzte bin, der irgendwie rassistisch verstanden werden möchte.
So ist es definitiv nicht gemeint.
Auch für die Regierung ist es schwierig mit den Aborigines zu reden, beziehungsweise auch umgekehrt. Denn es ist schwierig für sie, einen gemeinsamen Vertreter zu finden, da es so viele verschieden Stämme gibt, die alle andere Ziele und Ansprüche haben, anders gehört werden möchten und anders leben, andere Probleme haben und damit auch andere Hilfe benötigen. Ich hoffe, es wird in den nächsten Jahre zu sinnvollen Maßnahmen gegriffen, die auf beiden Seiten möglichst breite Zustimmung findet, aber ich kann es echt nicht genau sagen, ob ich daran glaube, denn momentan ist die Situation wirklich erschreckend.
Gut. Ich könnte jetzt hier noch Stunden über die alltäglichen Probleme schreiben, was sicherlich sehr wichtig ist und auch nicht zu kurz kommen darf, aber ich soll ja eigentlich von meiner Reise berichten und was ich hier so mache.
Kommen wir also zurück zu den leeren Shoppingmeilen in Alice Springs. Nachdem wir unsere Tour bestätigt hatten, sind wir also noch kurz durch die Miniinnenstadt geschlendert, haben eingekauft und unsere Taschen wieder den langen Weg zurück ins Hostel geschleppt.
Dann aßen wir noch unser Devonport-erster-Abend-Gedächtnisessen (Kartoffeln mit Frühlingszwiebelquark) und gingen ins Bett.
Dort blieben wir auch am nächsten Tag ziemlich lange, weil wir über den übernächsten wussten, dass wir sehr früh aufstehen mussten, um die Tour um sechs Uhr in der früh zu bekommen. Also lieber nochmal ausschlafen.
Gegen elf sind wir aber dann doch mal aufgestanden und haben gefrühstückt. Natürlich nicht das vom Hostel, aber unser Muesli. Dann habe ich endlich mal seit einer langen Zeit meine Wäsche gewaschen, und da das ziemlich schnell ging, konnte ich sie dann auch gleich um die Ecke aufhängen.
Wir hatten uns für diesen Tag die RFDS vorgenommen (Royal Flying Doctor Services), die in Alice Springs eine Basisstation haben, wo die Flüge geplant und koordiniert werden und in der sich auch ein Museum befindet. Auch wenn der Eintritt etwas teuer war, war es das wirklich wert, zumal ein Großteil eben als Spende verwertet wird und damit sollte man sowieso nicht so geizig sein.
Zunächst haben wir einen Film gesehen über die Aufgabe und all das ganze Zeug, mit dem die Flying Doctors zu tun haben. Sogar mit deutschen Untertiteln. Und dann kommt man in den nächsten Raum und man schaut durch so eine Glasscheibe auf ein kleines Büro, das ziemlich altmodisch aussieht. Und ich dacht: Wow, die zeigen hier sogar so ein altes Flugplanungszimmer. Und als sich dann die Kassiererin in eine Erklärerin verwandelt hatte, erzählte sie uns, dass es die momentan operierende Basisstation der RFDS ist. Unglaublich. Da sieht man dann, dass ein Passagier am Morgen nach Adelaide geflogen ist und ein weiterer aus dem westlichen Outback nach Alice Springs geflogen werden musste. Wahnsinn. Der Planer hatte aber gerade Pause, weshalb es da so verlassen aussah. Auch ein lustiger Job, wenn ständig Touristengruppen hinter einem vorbeigeführt werden und einem auf die Finger schauen bei allem was man macht.
Nachdem uns erklärt wurde, dass das ganze Land so mit Stationen abgedeckt ist, dass jeder Punkt innerhalb maximal einer Stunde erreichbar ist, ist man schon etwas beeindruckt. Dann gibt es noch eine Ausstellung, wo man dann wirklich ein altes Büro sieht und Modelle von den alten Maschinen und was man sonst alles noch so braucht, um den Patienten bestmöglichen Transport und Betreuung währenddessen gewährleisten kann. Übrigens leisten die Flying Doctors auch den ganz normalen Hausarztdienst, aus der Luft natürlich, manchmal auf einfach nur telefonisch, je nachdem, wie es gerade benötigt wird.
Dann waren wir damit fertig und sind einkaufen gegangen, um uns für die Tour vorzubereiten. Also kleine Snacks, Wasser, Obst etc. Zurück im Hostel dann die Wäsche abgenommen und dann die Sachen gepackt. Irgendwie hatten wir aber den zweiten Zimmerschlüssel nicht mehr. Naja, nachdem wir gesucht hatten und die Engländer nochmal gefragt hatten, sind wir dann erstmal in den Pool gehüpft. Da wir ihn auch danach nicht fanden, haben wir die Suchaktion dann auf den Rückkunftstag verschoben. Und da das alles etwas länger gedauert hat, sind wir gegen zwölf dann auch endlich mal ins Bett gekommen. Der Wecker klingelt ja sehr früh. 4.30 Uhr, zur Sicherheit und um nochmal kurz alle Sachen zu ordnen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen