Montag, 4. April 2011

Unverhofft der Weg zurück im Auto eines Schweizers.

(Anm. d. Verf.: Da ich die letzten drei Posts in einem Ruck und ohne wirklich Dreiteilung geschrieben hatte, kann es sein, dass es Verknüpfungen zwischendrin gibt. Deshalb würde ich jedem, der ganz normal hier mit lesen anfängt raten, zunächst auf "Die Fahrt durchs Nichts und die Stadt mittendrin." und danach auf "The Rock Tour!" schauen.
Viel Spaß beim Lesen. Und vielen Dank für die Geduld.)

Vor zwei Tagen hatte ich ein Inserat auf gumtree, der Backpackersite schlechthin aufgegeben, um einen Lift nach Adelaide zu bekommen. Bis jetzt hatte ich schon eine Rückmeldung, der Typ wollte aber erst in einer Woche losfahren und solange wollte ich eigentlich nicht in dieser ziemlich langweiligen Stadt bleiben. Deshalb erwog ich, möglicherweise mit dem Bus zu fahren, eine Nacht in Coober Pedy zu übernachten und dann weiter mit dem nächsten nach Adelaide. Aber als ich relativ früh am Morgen zum Frühstück bin, habe ich am schwarzen Brett einen Zettel von einem Schweizer gesehen, der einen Lift offeriert, so bald wie möglich. Also gleich mal kontaktiert. Der hat mir dann gesagt, er ist eigentlich schon dabei, loszufahren und wäre in zehn Minuten bereit, Alice Springs zu verlassen. Ich habe dann eine halbe Stunde raushandeln können, schnell gefrühstückt, mein Zeug zusammengesucht und dann saß ich auch schon im Auto. So schnell ging das. Prima.
Valentin, mein Fahrer, ist wie die meisten Schweizer hier nur zum Urlaub da. Nicht, weil er ja sowieso das Geld dazu hat, sondern weil es zwischen schweizerischer und australischer Regierung kein derartiges Abkommen gibt. Denn dann müsste die Schweiz akzeptieren, dass Australier in die Schweiz kommen können, um dort zu arbeiten. Jedenfalls hatte er schon seit längerem nach Mitfahrern gesucht, aber niemanden gefunden, und so war ich dann kurzfristig der einzige, der im auf der Fahrt Gesellschaft leisten konnte. Aber doch definitiv besser, als allein zu fahren ;).
Mit einem Anguckstopp in Coober Pedy war er auch einverstanden und so waren wir neue Travelmates für den zweitägigen Trip nach Adelaide.
Los gings, den Stuart Highway immer entlang, bis man irgendwann nach Adelaide kommt. Da kann man doch nicht so viel falsch machen, oder? Der Stuart Highway ist übrignes die einzige richtige Strecke Australiens, auf der es legal ist, 130km/h zu fahren. Und das macht auch irgendwie Sinn. Denn sonst vergammelt man da wirklich. Es geht meistens gerade aus, das kurvigste Stück, was ich so gesehen hatte, war eine S-Kurve links/rechts, aber die war echt sachte. Bild gibt’s dann auch davon, den das war schon was besonderes. Gut, es gab natürlich auch normale Kurven, die dann etwas gebogener waren, aber nicht hintereinander, beziehungsweise, hintereinander schon, aber nicht direkt.
Das ich davon schon Fotos gemacht habe, zeigt, dass man plötzlich schon wieder mit den kleinen Dingen im Leben zufrieden gewesen ist. Nicht so wie am Uluru, wo ich mich zumindest hier über den verdammt schlechten Sonnenuntergang beklagt habe. Tja, aber jetzt war ich wieder anderes gewöhnt. Verkehr ist auch nicht viel, wenn man fährt, grüßt man sich und fährt weiter, hofft auf das nächste Auto, damit man wieder mal Richtung aus der Geradeausfahrsposition in Bewegung kommt, um den Finger vom Lenkrad zu heben und dem entgegen kommenden Fahrzeug den Outbackgruß zu übermitteln.
Apropos Verkehr. Roadtrains sieht man hier auch. Ganz viele und nach den ersten zehn ist es keine Besonderheit mehr. Denn dann hat man auch die auf dieser Strecke und im größten Teil Australiens vorkommenden, dreizügigen Trucks gesehen, die mit einer Länge von bis zu 52 Meter aufwarten. Wahnsinn? Nicht schlecht? Ja, normal, ne ;). Die Ansprüche passen sich an.
In Coober Pedy waren wir dann gegen fünf. Je näher man der Ortschaft kommt, desto mehr Hügelchen umgeben den Highway. Den dort buddeln die nimmersatten Bagger der Opalsucher und finden auch manchmal was. Coober Pedy ist eigentlich nur deswegen entstanden. Da hat dann mal einer auf dieser Range zufällig einen Stein umgedreht und sich dann rießig gefreut, dass er auf der anderen Seite glitzerte. Seitdem gab es einen Rausch, der dann wieder nachgelassen hatte, bis irgendeine Aboriginedame eine ähmnliche Entdeckung gemacht hat. Kurz und gut, der einzige Grund, in Coober Pedy seine Zeltte aufzuschlagen, ist die Suche nach Opalen. Da die hier besonders gut unter der Erdoberfläche liegen, ist es noch besser. Alles ist natürlich relativ. Ein Typ hat dann die Dug-Outs entdeckt. Beziehungsweise war er einfach einer der Deppen, die gleich auf Arbeit schlafen, weili sie vielleicht einfach nicht genug kriegen können, immer auf den großen Fund hoffen, den sie am nächsten Tag aufgrund anderer Umstände vielleicht nicht machen und deshalb lange arbeiten. Jedenfalls ist ihm dann in den Sinn gekommen, dort, wo er sowieso schon gebuddelt hat, gleich mal zu wohnen. Und entstanden sind die für Coober Pedy typischen Dug-Outs.
Der Ort ist trotz seiner Besonderheit noch langweiliger als Alice Springs, beziehungsweise genauso. Der Vorteil hier: Das Städtchen ist so klein, dass man alles prima zu Fuß erreichen kann. Alles. Also das, was entweder mit Dug-Outs oder mit Opalen oder mit beidem zu tun hat. Und da das Visitor Information Centre noch offen hatte, habe ich mir eine Karte geholt und bin auf Erkundung gegangen. Zunächst hatte ich mir einen unterirdische Kirche ausgesucht. Da war niemand, außer vielleicht Gott, ich musste sogar selbst das Licht anmachen. Also war vielleicht doch kein Gott da. Sorry für diese schlimme Verleumdung, aber den Witz fand ich gut.
Gut, war ganz interessant, die Kirche nicht unbedingt, aber wie gesagt, das Dug-Out. Gleich um die Ecke gabs ein Untergrundhostel, wo ich auch mal kurz reingeguckt hatte, Opale gabs zu verkaufen und wenn man die Straße weiter läuft, in der sich so gut wie alles Wichtige befindet, kommt man dann an zwei weiteren ehemaligen Minen und heutigen Dug-Outs vorbei, die eine bietet ein Museum mit Opalgeschichte und Opalshop, die andere ist eine Art Gallery mit Opalshop.
Dann bin ich noch auf zwei Lookouts gegangen, das zweite wurde mir im Touristenführer als genialer 360°-Blick beschrieben und war dann nur ein Stadthügel, der davon profitierte, dass alles herum flach ist. Vielleicht hat man auch deshalb Coober Pedy hierhin gesetzt, da konnte man wenigstens mal in die Ferne gucken.
Es war mal ganz interessant und wie gesagt, wäre ich mit dem Greyhound gefahren, hätte ich im Underground-Backpackers geschlafen und mir wirklich alles angucken können, aber so interessant und vielseitig war es dann doch nicht. Es hat gereicht, ne dreiviertel Stunde in Coober Pedy. Von da gings dann weiter bis zur Bon Bon Rest Area, wo ich das Zelt von Valentin dann auf den Betonboden von der Infotafel aufstellte und dann dort drin schlief, ohne Matratze versteht sich. War nicht nicht allzu bequem, aber ging schonmal.
Tagesetappe übrigens etwa 810km.

Am zweiten Tag unserer gemeinsamen Autofahrt sind wir dann die restlichen siebenhundert gefahren. Die Straße krümmt sich nicht weiter und die Landschaft ist mitunter erschreckend kahl.
Doch dann ist es manchmal auch wieder interessant: Erst fährt man durch komplett flache, baum- und auch fast buschlose Landschaft, um dann über ein Gatter auf die nächste Station zu fahren, und sofort ist es hügelig und grün. Richtig dichte Vegetation, im Verhältnis zum vorherigen Status.
Grün ist es aber trotzdem fast überall, zumindest grüner, als man vielleicht erwartet hätte. Dann sind wir auch schon wieder in Port Augusta, der letzten Stadt im zivilisierten Land, bevor man entweder in in Richtung Perth, Alice Springs oder Sydney ins absolute Nichts fährt. Die einzige Richtung, in der man sofort (das heißt in zwei Stunden) auf eine große Stadt trifft, ist Norden. Denn hier geht’s nach Adelaide. Dort gegen fünf Uhr angekommen, mussten wir uns erstmal um ein Hostel um tun und checkten gleich mal ins – nicht ins Sunny’s – Annie’s Place ein, das bisher stilvollste Hostel meiner Reise. Aber leider etwas weit aus der Stadt draußen. Das Annie’s Place hat schöne Farben, Bilder an den Wänden, eine Lizenz zum Bierausschenken und bietet aller Hand Komfort, um es auszuhalten. Durch etwas Glück bei der Ortswahl ist es acuh im Empfangbereich des in Adelaide verbreiteten Wifis. Echt schön dort, mit Aufenthaltsbereich im Freien. Für $24 auch noch in Ordnung, aber es wurde dann in drei Tagen teuer, weil das Fringe begann, ein Comedyfestival, von dem ich im folgenden Post noch so Einiges berichten werde. Dann bin ich doch besser gleich nochmal im Sunny’s die Straße hoch vorbeigeschneit, ob denn nicht noch was für mich frei wäre. Denise hatte meinen Namen zwar nicht mehr auf Lager, konnte sich aber immerhin noch an mich erinnern und hat mich ab der nächsten Nacht wieder aufgenommen.
Gut, dann zurück im Annie’s Place saßen wir dann noch ein bisschen rum, mit Bierchen und noch einem Deutschen, der sich mit dazugesellt hatte. Später kam dann noch ein Mädel dazu, das es echt wert ist, Erwähnung zu finden. Als, ähm, anderes Beispiel einer Reise durch Australien.
Nicht, weil sie betrunken war oder das Gesetz gebrochen hat, sondern einfach weil, seht selbst:
Da ist man schon fast anderthalb Jahre in Australien, denn man hat sich für ein zweites Visum schon erfolgreich beworben, hat aber nicht mehr gesehen, als Adelaide, Sydney und ein paar Mini-Städte an der Küste. Sie hatte fünf Wochen in Sydney gelebt (oder warens fünf Monate [Kein Scherz, ich denke es waren fünf Monate.]), bei Nonnen im Kloster gelebt, bevor es ihr dort zu „langweilig“ wurde, ist dann nach Adelaide geflogen und hat dort sechs Monate gewohnt und gearbeitet. Hat aber leider nicht soviel Geld gemacht, weil es immer nur vormittags auf Arbeit ging. Jedenfalls ist sie dann auch mal gereist: Sie hat den Bus nach Kingston genommen, dem Kaff, wo wir einmal an der Jetty Abendbrot gegessen hatten, und eine Woche dort in einem teuren Motel gelebt. Dann ist sie weiter, nach Beachport, zum nächsten Kaff, und zum nächsten Kaff und zum nächsten Kaff und überall eine Woche geblieben. Wahnsinn. Ihr hat es dort gefallen. Gut, akzeptiert. So, und auf die Frage nach ihren weiteren Reiseplänen sagte sie, dass sie unbedingt mal nach Ballarat (??? Ist das ein nahöstlicher, runder Knallkörper?) und nach Bendigo (Das ist nur über den Namen der Bendigo Bank bekannt.) will, weil sie da einen Reiseführer hat und da ist so ein schönes Bild von der Stadt drin, dass sie unbedingt da mal hin muss. Den Lonely Planet, den sie hat, findet sie total schlecht, weil da nichts Interessantes drinsteht und sie es nicht interessiert, ob es in einem Hostel gute Musik über die Anlage gibt oder nicht. Mich auch nicht, aber einen Eindruck über die Qualität gibt es trotzdem. Ja, wie auch immer, ich war ziemlich – überrascht über so einen Reisestil, aber ok. Ich will nicht sagen, dass sie etwas falsch macht; wenn sie so reisen will, dann reist sie so, das ist gut. Aber ich möchte jedem, der nach Australien kommt und wirklich das Land sehen will, von dieser Art der Reise abraten Ich hoffe, ich werde erhört.
Gut, dann mach ich jetzt mal Schluss mit diesem Post, ich bin ja jetzt in Adelaide angekommen.

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